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Kunst und Lernen

Beitrag verlinken am 28.09.2009 geschrieben
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"Kunst und Lernen", auch dafür interessiert sich das BildungsCamp. Diese Verbindung ist mehr oder weniger offensichtlich; einige Bereiche, in denen Kunst und Lernen eine wie auch immer geartete Verbindung eingehen:

Kulturvermittlung (Kunstunterricht, Museumspädagogik): Daran schliesst sich unmittelbar die Frage an, was wir denn lernen, wenn wir uns mit Kunst beschäftigen. (Vielleicht noch einfacher zu beantworten: Was lernen wir nicht mehr, wenn wir es versäumen, wie man sich mit der Kunst beschäftigt?) Meine vorläufige Liste der (Meta-)Fähigkeiten, die bei (pädagogischen) Beschäftigung mit Kunst eine Rolle spielen:

- Wahrnehmen und Aufmerksamkeit (sinnliche Wahrnehmung, Kontemplation, Konzentration)
- Offenheit, Vorurteilsfreiheit (z. B. Widerstand gegen den ersten Reflex: Das kann ich auch!)
- Kulturgeschichte kennenlernen (Was war? Wie dachten Menschen früher? Wie haben sie die Welt wahrgenommen?)
- Utopisches Denken (Was könnte sein? Was ist eigentlich wichtig?)

Kunst und Kreativität: KünstlerInnen sind kreativ (nicht zwangsläufig, aber doch sind von der Sache her Kunst und Kreativität nicht zu trennen). Kreativität bedeutet erfinden, sich auseinandersetzen, bewusst wahrnehmen, experimentieren ... und damit auch lernen. Was kann der oder die, der/die nicht künstlerisch arbeitet, vom Kunstschaffen lernen? Ist das KünsterlInnendasein modellierbar? Können bestimmte Fähigkeiten prototypisch abgelöst und beigebracht werden? Sicherlich. Was aber bleibt übrig von der Kunst?

"Kribbeln im Kopf", das ist so ein Band, der schmuck und adrett Kreativitätstechniken präsentiert, die auch und gerade in der Kunst eine Rolle spielen. Doch beim Durchsehen dieser Art-Director-Bibel für den kreativen Agenturalltag, kommen mir seltsame Gefühle, wenn praktisch jede noch so gute Idee letztlich nur in der Verherrlichung eines Produktvorteils gipfelt.

Kunst, Lernen und Unternehmen. Ich möchte zwei Beispiele anführen, die mir kürzlich begegnet sind.

Christine Kranz von der Symbolon GmbH [1] coached mit Bildern. Die Klienten arbeiten mit Hilfe meist älterer Bildwerke gruppendynamische Prozesse auf, lernen sich und ihre Ziele besser kennen und optimieren die Kommunikation. Das geht z. B. so, dass sich die Teilnehmer einen Ort in einer Renaissance-Landschaft aussuchen und beschreiben, warum gerade dort, was sie mit dem gewählten Platz verbinden usw. Zunächst auf dieser symbolischen Ebene werden dann Positionen geklärt und Beziehungen verhandelt. Die Erfinderin des Verfahrens: "Kunstwerke sind Spiegel, welche die äußere Aufmerksamkeit nach innen lenken. Unsichtbares wird sichbar, Wesentliches erkannt."

Immerhin kann und soll hier jeder das Bild in seinem Sinn interpretieren.

Ein weiteres Beispiel, auf das mich ein Kollege aufmerksam machte, ist da anders gelagert. Das "Learning-Center IWI-HSG" an der Universität St. Gallen veröffentlich mit einem weiteren Projektpartner eine Arbeit mit dem Titel: "Lerninhalt und Kunst interaktiv verbinden – ein E-Learning 2.0 Design" [2].

Hierzu heißt es: "Die Demo veranschaulicht das Design einer innovativ-interaktiven E-Learning-Anwendung, die im oben genannten Projektbericht beschrieben ist. [...] Der fachliche Gegenstand ist der 'Corporate Code of Conduct', der in Grossunternehmen typischerweise von allen Mitarbeitenden verinnerlicht sein sollte. Das Lernszenario lässt sich als E-Learning 2.0 in einer Enterprise Web-Community beschreiben, d.h. der Lernprozess ist nicht nur interaktiv, sondern partizipativ-kollaborativ."

Ich habe mir das Demo angesehen und halte es für ein Negativ-Beispiel, wenn es darum geht, Kunst und Lernen zu verbinden. Was mich am meisten stört, ist die Tatsache, dass hier (autoritativ) vorgegebene Inhalte (nämlich der 'Code of Conduct' der Credit Suisse) in die Kunstwerke hineininterpretiert werden soll. Die Verwendung von Kunst spiegelt eine spielerische, freie und kreative Auseinandersetzung mit dem Lernstoff vor; die pädagogische Absicht ist eine andere: "Der fachliche Gegenstand [will sagen: Inhalt] ist der 'Corporate Code of Conduct', der in Grossunternehmen typischerweise von allen Mitarbeitenden verinnerlicht sein sollte".

Lustig ist's trotzdem, wie und was hier mit großer Naivität aus den Kunstwerken herausgelesen wird. Z. B.: "Auch der Titel des Bildes ist 'Accumulation' und deutet auf die Grundlage des Handelns einer Bank hin."

Vielleicht habe ich ja früher zu tief in das Kulturindustriekapitel geschaut... aber solche Formen von E-Learning sind mir supekt.

Soviel und unvollständiges zunächst einmal zum Thema Kunst und Lernen. Wer kennt weitere Beispiele, Anwendungsformen, Erscheinungsformen.

Wer hält eine Session zum Thema?

[1] http://www.symbolon.com/
[2] http://www.learningwaves.unisg.ch/2009/09/02/kunstvolles-e-learning-im-geist-von-web-2-0-wieviele-innovationspunkte-vergeben-sie/
Beitrag verlinken am 18.10.2009 geschrieben
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Dazu habe ich noch etwas Interessantes im Netz gefunden: http://www.wissenskunst.ch

Die Wissenskünstlerin Cornelia Hesse-Honegger arbeitete ursprünglich am Zoologischen Institut der Universität Zürich und dokumentiert seit dem Atomunfall in Tschernobyl morphologisch veränderte Insekten.
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